Alles dreht sich um Proteine.
Um Fleischsorten. Verträglichkeit. Unverträglichkeiten. Allergien. Was dabei fast fehlt, ist der Blick auf Fett. Nicht auf Kalorien. Nicht auf Gewicht. Sondern auf Fettsäuren als biologisches System.
Es gibt nicht „das eine Fett“
Hunde arbeiten und brauchen nicht nur Fett. Er arbeitet mit drei Fettsäure-Systemen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen und funktionell miteinander verkettet sind:
- Kurzkettige Fettsäuren (SCFAs)
- Mittelkettige Fettsäuren (MCTs)
- Langkettige Fettsäuren (LCTs)
Keines ersetzt das andere. Fehlt eines, kippt die Regulation. Diese funktionelle Verkettung ist in der Ernährungsphysiologie gut beschrieben: Unterschiedliche Fettsäuren werden in unterschiedlichen Abschnitten des Körpers verarbeitet und übernehmen nicht austauschbare Aufgaben.
SCFAs — Fett, das der Hund selbst herstellen muss
Kurzkettige Fettsäuren entstehen ausschließlich aus Fasern. Nicht aus Fleisch. Nicht aus Öl. Nicht aus Supplementen.
Sie werden im Dickdarm gebildet, wenn Darmbakterien faserreiche Pflanzen fermentieren. Das ist kein Randthema. SCFAs, insbesondere Butyrat, sind die Hauptenergiequelle der Darmschleimhaut. Dieser Mechanismus ist in der Forschung klar beschrieben.
SCFAs:
- bauen die Darmschleimhaut
- dichten die Darmwand
- stabilisieren das Immunsystem
- schaffen ein belastbares Darmmilieu
Studien zeigen, dass eine reduzierte SCFA-Produktion mit einer instabilen Darmbarriere und erhöhter Entzündungsbereitschaft einhergeht. Das gilt auch dann, wenn das Protein hochwertig ist. Eine dauerhaft faserarme oder rein tierische Ernährung kann diese Fettsäuren nicht liefern. Der Hund kann sie selbst herstellen mit der richtigen Nahrung.
MCTs — Schnelle Energie für Regulation
Mittelkettige Fettsäuren sind kein Standardfett. Sie kommen nur in wenigen natürlichen Quellen vor. In der Beute kommen sie vor in:
- Drüsengewebe
- bestimmten Organen
- Milch und Euter
- Kokosnuss als pflanzliche Ausnahme
MCTs werden im Körper anders verstoffwechselt als langkettige Fettsäuren. Sie benötigen kaum Verdauungsaufwand, gelangen schnell in die Leber und stehen zügig als Energie zur Verfügung.
MCTs:
- liefern schnelle, saubere Energie
- stabilisieren den Blutzucker
- puffern Stress
- entlasten das Nervensystem
Fehlen sie, kippt die Regulation zuerst unter Belastung. Der Hund wirkt nervös, instabil, schnell überfordert. Nicht dauerhaft. Aber immer dann, wenn das System gefordert ist.
LCTs — Substanz, Struktur, Langzeitstabilität
Langkettige Fettsäuren sind das, was die meisten unter „Fett“ verstehen. Sie stecken in tierischem Fett und in Pflanzenölen.
LCTs:
- Bauen Zellmembranen
- Sind Grundlage für Hormone
- Schützen Nerven
- Tragen Haut, Fell und Körperstruktur
Ohne sie keine Substanz. Hier zeigt sich ein zentraler Denkfehler moderner Fütterung: Zu fettarmes Fleisch.
Für Hunde sollte der Fettanteil im Fleisch etwa zwischen 16 und 22 Prozent liegen. Erst in diesem Bereich sind langkettige Fettsäuren ausreichend vorhanden, um strukturelle und hormonelle Funktionen zu erfüllen. Ein Fettgehalt unter 8 Prozent, wie er in vielen handelsüblichen Produkten vorkommt, ist biologisch nicht passend, auch nicht, wenn das Protein hochwertig ist.
Warum Fett Protein stabilisiert
Fettmangel sieht oft aus wie ein Protein Problem. Der Hund reagiert mit:
- Durchfall
- Hautproblemen
- Unruhe
- Reizbarkeit
Die übliche Reaktion: Protein wechseln. Dabei liegt das Problem nicht im Protein, sondern darin, dass Protein ohne Fett nicht stabil wirken kann. Ohne Fett wird Protein zu schnell, zu scharf und zu belastend. Das ist kein Zeichen von Unverträglichkeit, sondern von fehlender Regulation und Fett.
Schonkost & Fettmangel
Viele Schonkost-Konzepte sind extrem fettarm. Kurzfristig kann das entlastend wirken. Langfristig führt es zu Mangel.
Ohne Fett:
- Fehlt Energie
- Fehlt hormonelle Stabilität
- Fehlt Schutz für Darm und Nerven
Fettarme Diäten können zwar Symptome kurzfristig beruhigen, können aber strukturelle Defizite nicht beheben. Schonkost ohne Fett ist keine Lösung. Sie verschiebt Probleme.
Die Lösung ist kein einzelnes Lebensmittel
Die Lösung kann daher nicht das eine perfekte Protein sein. Auch nicht das eine einzelnes Fett.
Die Lösung ist Verständnis für das System und eine kluge Zusammensetzung aller Fettsäuren und ein realistischer Blick auf den Fettgehalt.
Fett ist kein Kalorien-Thema. Fett ist Regulation. Fett ist Stabilität. Fett ist Leben.