Es kann nicht sein, dass wir über Hunde sprechen, über ihre Ängste, ihre Reaktivität, ihre Unruhe, ihre Überforderung und gleichzeitig so tun, als hätte Nahrung damit nichts zu tun. Das ist kein blinder Fleck mehr. Das ist ein Denkfehler.

Bindung ist kein Nährstoff.

Führung ist keine Aminosäure und trotzdem wird Verhalten fast ausschließlich so erklärt.

Mehr Beziehung.
Mehr Sicherheit.
Mehr Training.
Mehr Führung.

Als würden Dopamin, Cortisol und Oxytocin aus guten Absichten entstehen. Tun sie nicht. Diese Moleküle sind keine Ideen. Sie sind keine Haltung. Sie sind Biologie.

Verhalten entsteht im Körper

Verhalten ist das sichtbare Ergebnis innerer Prozesse. Nicht umgekehrt.

Was wir sehen, ist:

  • Unruhe
  • Frustration
  • Übererregung
  • Rückzug
  • Reaktivität
  • mangelnde Impulskontrolle

Was dahinter liegt, ist:

  • Instable Neurotransmitter
  • Fehlende Bausteine
  • Ein überlastetes Nervensystem
  • Ein Darm, der Signale nicht sauber verarbeitet

Training arbeitet am Ausdruck. Nahrung entscheidet über die Grundlage.

Dopamin ist kein Belohnungstrick

Dopamin entsteht nicht, weil ein Hund gelobt wird. Es entsteht, weil der Körper es bilden kann.

Dafür braucht es:

  • Aminosäuren, vor allem Tyrosin
  • Vitamin B6
  • Eisen
  • ausreichend Energie

Fehlt einer dieser Faktoren, wird die Motivation instabil. Dann sehen wir:

  • schnelles Aufgeben
  • Frustration trotz Training
  • wechselnde Leistungsfähigkeit
  • scheinbare Lustlosigkeit

Das ist kein Erziehungsproblem. Das ist Biochemie.

Cortisol ist kein Feind

Cortisol wird ständig verteufelt. Völlig zu Unrecht. Cortisol ist Anpassung. Ohne Cortisol keine Regulation. Problematisch ist nicht Cortisol. Problematisch ist ein Körper, der es nicht mehr steuern kann.

Cortisol entsteht aus:

  • Cholesterin
  • Fetten
  • Vitamin C
  • B-Vitaminen
  • Magnesium

Ein Hund im Mangel kann Stress nicht sauber verarbeiten. Er bleibt darin stecken. Was dann als sensibel, nervös oder schwierig bezeichnet wird, ist oft ein System in Unterversorgung.

Oxytocin ist nicht nur Nähe

Oxytocin wird romantisiert, dabei ist es eines der anspruchsvollsten Moleküle im Körper.

Oxytocin bedeutet:

  • Bindung nach innen
  • Abgrenzung nach außen
  • Sicherheit im eigenen System

Bindung ist kein Gefühl. Bindung ist ein biologischer Zustand. Für stabile Oxytocin-Prozesse braucht es:

  • Aminosäuren 
  • Omega-3-Fettsäuren
  • ein reguliertes Nervensystem
  • einen ruhigen, funktionierenden Darm

Nähe allein reicht nicht. Der Körper muss sie auch verarbeiten können.

Warum Training hier an Grenzen stößt

Training kann Verhalten formen, aber es kann keine Moleküle ersetzen.
Ohne:

  • Ausreichende Nährstoffversorgung
  • Stabile Energieverfügbarkeit
  • Funktionierenden Darm
  • Regulierte Stressachsen

Arbeitet Training gegen die Biologie. 

Wer über Verhalten spricht und Nahrung ausklammert, spricht nie über das ganze Bild. Nahrung spielt die absolute Hauptrolle. Verhalten ist kein Charakterproblem. Kein Erziehungsdefizit. Kein Führungsfehler. Es ist auch ein Versorgungszustand.

Genau dort beginnt echte Verantwortung. Es gibt keine Ernährung, die für alle Hunde passt, es gibt auch keine zwei identischen Systeme. Der Hund, der vor dir sitzt, bringt seine eigene Biologie, seine Geschichte, seine Belastungen und seine Bedürfnisse mit.

Love your dog 🫶🏼